Evangelische Kirche Menzingen

Die evangelische Kirche in Menzingen wurde am 24. September 1848 eingeweiht und hat eine Vorgängerkirche am gleichen Standort ersetzt, die vermutlich bereits vor der Reformation im 15. Jahrhundert errichtet wurde. Seit ihrer Einweihung hat die Kirche zweimal größere Veränderungen erfahren: Die erste Innenrenovation mit Umbau fand 1965 statt, die zweite erfolgte 2012 und gibt dem Kirchenraum seine aktuelle Gestalt.

Eine besondere Bedeutung hat das Bauwerk der Evangelischen Kirche aber für das Stadtbild der Ortschaft Menzingen. Schon von Ferne, bevor man Menzingen erreicht hat, erblickt man die Evangelische Kirche, die mit ihrem 44 m hohen Kirchturm aus der Ortschaft herausragt und so die Silhouette von Menzingen mit prägt. Die Aussenmauern sind mit einem beigefarbenen Sandstein verkleidet, der der Kirche in ihrer reduzierten und dennoch kraftvollen neugotischen Gestalt ein charakteristisches Gesicht verleiht.

Aus der Zeit der Vorgängerkirche stammt noch eine Glocke, die 1412 gegossen wurde und im heutigen Kirchturm weiterhin läutet. Das genaue Erbauungsdatum der Vorgängerkirche ist aber nicht bekannt. Sie war der Überlieferung nach wohl baufällig. Der heutige Kirchenbau ist aber auch notwendig geworden, da Mitte des 19. Jahrhunderts mehr Platz benötigt wurde. Einschließlich der Sitzplätze auf der umlaufenden Empore bietet der Kirchenraum Platz für gut 600 Besucher. Die Pläne des Neubaus stammen von einem Architekten Baumüller.

1. Renovation

Bei der ersten Renovation von 1962 bis1965 wurde der Kirchenraum grundlegend verändert und einem neuen liturgischen Verständnis angepasst: Er wurde purifiziert, die verzierten Holzverkleidungen und Wandbemalungen wurden entfernt. Vor allem aber wurde die Kanzel entfernt, die mittig auf der Altarwand platziert war und durch eine Kanzel unmittelbar auf dem Altarpodest ersetzt mit einer größeren Nähe zur Gemeinde. Die Innenwände wurden mit einem Kunstoffputz überzogen und hellgrau gestrichen, was zusammen mit der Beleuchtung durch Leuchtstoffröhren dem Raum einen eher kühlen Charakter ergeben hat, der kontrastiert hat mit einer Verkleidung der Decke und der Emporenuntersichten in hell gebeiztem Nadelholz. Die Verglasungen wurden erneuert in einem hellen Ton. Ebenfalls wurde der rückwärtige Teil der Empore erweitert und im Eingangsbereich durch eine Glasabtrennung ein Vorraum als Windfang geschaffen. Hinter der Chorwand wurde ein Gemeindehaus angebaut.

2. Renovation

Bei der zweiten Renovation von 2009 bis 2012 wird der Innenraum wiederum grundlegend verändert. Die Renovation ist zunächst notwendig geworden, um Innenrisse in den Aussenwänden zu schließen und die Technik mit Beleuchtung und Heizung vollständig zu erneuern. Der Dachstuhl mit seiner sehenswerten Hängewerkkonstruktion wird denkmalgerecht renoviert. Für die Benutzung durch die Gemeinde ist aber die Neugestaltung des Kirchenraums besonders wichtig.

Ein Grundsatz der Innenrenovation ist es, die vorhandene Bausubstanz aus der Erbauungszeit zu erhalten. Beispielsweise sind die historischen Bänke weiterhin als eines der wenigen erhaltenen Originaldetails im Kirchenraum in Benutzung. Die Maßnahmen der zweiten Renovation werden, was die Fenster und die Deckenverkleidungen betrifft, unverändert übernommen. Die Emporenerweiterung bleibt erhalten, genau wie die Verglasung, die den Vorraum abtrennt. Aber das Tageslicht sollte im Kirchenraum stärker wirken. Da die historischen Wandbekleidungen fehlen, werden nach einem neuen Farbkonzept alle Innenwandflächen weiß gestrichen. Der neue helle Anstrich macht in Abhängigkeit von der Tageszeit die Aussenhelligkeit und die Lichtfarbe besser erfahrbar. Eine freundliche, helle Raumatmosphäre entsteht. Die Plastizität der baulichen Schmuckelemente wie Kapitelle und Bögen werden im hellen Farbton besser sichtbar. Eine neue Beleuchtung unterstützt abends die Raumatmosphäre, schafft Intimität und Festlichkeit zugleich. Sie kann unterschiedliche Lichtstimmungen erzeugen.

Der Eingangsbereich wird über zwei eingestellte Raumkuben geordnet, die gleichzeitig die dringend benötigten Abstellmöglichkeiten schaffen. Um die Altarwand zu beruhigen, wird das runde Fenster in der Chorwand aus den 1960er Jahren wieder geschlossen und der Bereich hinter dem Altar erhält statt dessen eine Wandscheibe, die den Sakristeieingang abdeckt und den Rückbereich fasst. Das Altarpodest wird von den Seiten gelöst und freier in den Raum gestellt. Es kann nun besser zum Abendmal aber auch bei Aufführungen genutzt und bespielt werden. Die Kanzel rückt näher an die Gemeinde. Der Raum wird mit Materialien ergänzt, wie sie ursprünglich im Kirchenbau verwendet wurden: Stein, Holz und Messing. Die Materialien unterstützen die helle warme Raumatmosphäre. So wird das neue Altarpodest aus massiven hellen Kalksteinplatten und -blöcken hergestellt, die ein steinernes Bodenrelief bilden. Der Altar besteht aus geschichteten Eichenstäben, die wiederum eine Kalksteinplatte tragen. Gemeinde-mitglieder haben den Altar selber aus den lose geschichteten Eichenstäben aufgebaut. Die Kanzel und die Altarrückwand sind aus dem gleichen, massivem, gekalkten Eichenholz geschichtet und gefügt wie der Altar. Der Taufort besteht aus Kalkstein mit einer eingearbeiteten Mulde zur Aufnahme des Taufwassers. Der Aufbau und die Fügung der neuen Ergänzungen soll einfach und unmittelbar nachvollziehbar sein für die Betrachter. Dadurch wird die kontemplative Ruhe des Kirchenraums unterstützt. Das einfache Holzkreuz ist für viele erst auf den zweiten Blick sichtbar. Es schwebt vor der Holzrückwand und ist zunächst nur durch Licht und Schatten erkennbar. Aber gerade dadurch, dass es entdeckt werden will, fällt es auf und wird zum wichtigen Element im neuen Altarbereich. Der Kirchenraum ist am Wochenende für Besucher geöffnet.

06.09.2016 Peter Krebs

Um in die liturgische Atmosphäre unseres Gotteshauses einzutauchen, laden wir Sie sehr herzlich ein, mit uns Gottesdienst zu feiern.

Evangelischer Kirchgemeinderat Menzingen und Pfarrerin Stefanie Nuß